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Kaffeeanbau

Kurz erklärt

Vom Kaffeebaum zum Rohkaffee

Kaffee wird weltweit im sogenannten Kaffeegürtel bis zu 25° nördlich und südlich des Äquators angebaut. Entscheidend für hohe Qualität und hervorragenden Geschmack sind beim Kaffeeanbau natürliche Voraussetzungen wie die Anbauhöhe, Temperatur, Sonnenschein, Niederschlag und Bodenqualität. Sie entscheidet auch darüber, ob Arabica-Kaffees oder Robusta-Kaffees wachsen können. Je kühler die Temperatur, d.h. je höher über dem Meeresspiegel, desto besser sind die Anbaubedingungen für Arabica-Kaffees. Je nach Geographie sind die Bedingungen meist zwischen 1000 (in Brasilien) und 2500 m.ü.M (Ostafrika) optimal. Anderherum wachsen Robusta-Kaffees (daher der Name!) bereits bei 500-800 m.ü.M. und Temperaturen um 30 °C, wie zum Beispiel im Vietnam oder in vielen Regionen Westafrikas. Gehen wir noch tiefer in die Materie, entscheidet ein regionales Klima und eine regionales Ökosystem, welche Arabica- oder Robusta-Varietäten (z.B. Bourbon, Caturra, Typica etc.) angebaut werden können. Diese unterscheiden sich geschmacklich teils erheblich voneinander.


Beispiel Guatemala

Durch die vulkanische Ausprägung Guatemalas, viele Höhenlagen (1500-2000 m.ü.M.) mit, wenn wir den Klimawandel mal kurz außen vor lassen, historisch stabilem, eher mildem Klima (10-25°C) bietet dieses Land viele Regionen, um Arabica-Kaffee in Spitzenqualität anzubauen. Die über 100 verschiedenen Mikroklimata von Antigua bis Huehuetenango, ermöglichen ein vielseitiges Spektrum an herausragenden Kaffees. Typische Arabica-Varietäten sind hier Bourbon und vor allem Caturra.

Beispiel Vietnam

Die Hochebene um Dak Lak (größter Robusta-Produzent der Welt) bietet optimale Anbaubedingungen für Robusta-Kaffees. Auch hier bieten sich über das Jahr hinweg ein stabiler Wechsel aus Regen- und Trockenzeit, wobei die Temperaturen nie unter 20°C fallen. Bei einer Höhe von 400-800 m.ü.M finden wir hier optimale Anbaubedingungen für Robusta-Kaffees, während dem Arabica-Kaffees die Spitzentemperaturen jenseits von 35°C nicht liegen.


Anbauhöhe und Kaffeequalität

Je höher die Anbaulage desto niedriger die durchschnittlichen Temperaturen und desto langsamer wächst der Kaffee. Ein langsames Wachstum wirkt sich sehr positiv auf die Kraft und das Aroma der Kaffeebohnen aus. Unsere Partner, die Kooperative ADIBA im Departamento San Marcos (Guatemala) bauen auf 1500 m.ü.M, Khalid Shifa im Jimma (Äthiopien) sogar auf bis zu 2300 m.ü.M. ihre Kaffees an.

Pflanzenpflege

Neben den natürlichen Voraussetzungen ist die Pflanzung und Pflege des Kaffees von entscheidender Bedeutung für die Qualität der Ernte. Dabei ist zu beachten, dass Kaffee eine Schattenpflanze ist und im besten Fall im Schatten anderer Pflanzen gedeiht. Zudem ist eine regelmäßige Düngung erforderlich, welche zum Beispiel nur aus dem kompostierten Fruchtfleisch der Kaffeekirsche bestehen kann und somit vollkommen biologisch ist.
Im Laufe der bis zu zehnmonatigen Reifezeit der Kaffeekirschen verändern diese ihre Farbe von grün über gelb zu rot. Erst wenn sie rot sind, haben die Kirschen das Potenzial für einen aromatischen Rohkaffee und werden geerntet. Abhängig vom geographischen Breitengrad unterscheiden sich die Erntemonate von Land zu Land. In Guatemala wird von November bis Februar geerntet, in Brasilien von Mai bis Oktober.

Die Ernte

Die Sorgfalt bei der Ernte hat neben den Anbaubedingungen den größten Einfluss auf den potenziellen Kaffeegeschmack. Aus wirtschaftlichen Gründen haben sich drei Erntemethoden in der Kaffeewelt durchgesetzt:


Maschinell

Bei der maschinellen Methode werden sämtliche Kirschen während einer Ernte gepflückt. Da die Kaffeekirschen unterschiedliche Reifegrade und somit unterschiedliche Qualitäten besitzen, werden diese nach der Ernte sortiert.

Stripping

Bei der „stripping-Methode“ werden alle Bohnen an einem Zweig gleichzeitig heruntergestreift. Da auch hier unterschiedlich reife Bohnen geerntet werden, wird anschließend nach Qualität sortiert.

Picking

Die aufwendigste Methode ist die „picking-Methode“, da hier, nach Schulung der ErntearbeiterInnen nur die reifen, dunkelroten Kirschen von Hand gepflückt werden. Diese Methode erfordert viel Zeit und Erfahrung, verspricht aber auch die besten Rohkaffeequalitäten.


Die Kaffeebohnen für unsere Kaffees werden ausschließlich von Hand gepflückt. Dabei werden die Kaffeekirschen sorgfältig vom Strauch „abgedreht“, damit die Frucht nicht beschädigt wird. Jede Kaffeepflanze wird während der Erntezeit täglich besucht. Die reifen, tiefroten Kirschen werden gepflückt, die unreifen haben Zeit nachzureifen bis auch sie gepflückt werden können. Durch diese aufwändige und zeitintensive Erntemethode erreichen unsere Rohkaffees eine hohe Grundqualität.

Nachernteprozesse

Die Kaffeefrucht ist eine Kirsche. Um die darin enthaltene Kaffeebohne vom Fruchtfleisch zu lösen, gibt es verschiedene Methoden, welche den Geschmack maßgeblich beeinflussen. Dabei wird zwischen drei Methoden unterschieden:

  • gewaschen (washed),
  • sonnengetrocknet (natural)
  • halbtrocken (pulped natural I honey)

Traditionell in Guatemala

Washed

Beim gewaschenen Kaffee wird das Fruchtfleisch kurz nach der Ernte in
Maschinen (sogenannte Entpulper) von der Kaffeebohne getrennt. Die Bohnen sind dann jedoch noch von einer feinen, zuckrigen Schicht (der sogenannten Mucilage) umgeben. Um diese zu entfernen, werden die Bohnen mehrere Stunden für einen Fermentationsprozess in ein Wasserbecken gelegt. Nach der Fermentation trocknen die Bohnen in der Sonne auf Terrassen (sog. Patios). Diese Kaffees sind etwas weniger fruchtintensiv, haben häufig einen schlankeren Körper und ein klareres, eleganteres Aroma.

Ein klassisch gewaschener Kaffee aus Mittelamerika, im Fachjargon werden sie auch "Milds" genannt, ist unser Chico.

z.B. in Äthiopien oder Brasilien

Natural

Beim sonnengetrockneten Kaffee werden die Kirschen auf Zementböden oder erhöhten Tischen ausgebreitet und für eine gleichmäßige Trocknung regelmäßig
gewendet. Diese Trocknung kann, abhängig vom Klima, bis zu fünf Wochen dauern. Anschließend lässt sich das getrocknete Fruchtfleisch leicht von der Bohne trennen.

Durch diesen Prozess können sonnengetrocknete Kaffees eine ausgeprägte Fruchtintensität und eine satte Textur aufweisen, sind aber auf zuverlässige Trockenheit und Sonneneinstrahlung während des gesamten Prozesses (bis zu mehrere Wochen!) angewiesen, was diese Methode im Rahmen des Klimawandels und seiner extremen Klimaschwankungen zunehmend erschwert. Wird der Kaffee zwischendurch feucht, fängt er an zu faulen oder erhält unangenehme, phenolige Geschmacksnuancen.

Ein tolles Beispiel für natural aufbereitete Kaffees aus Äthiopien ist unsere Ayana.

Prägend in Costa Rica

Honey

Der halbtrockene Kaffee ist eine Zusammensetzung aus beiden zuvor
genannten Prozessen. Zunächst wird dabei das Fruchtfleisch von der Bohne getrennt. Ohne anschließende Fermentation im Wasserbecken, wird die Bohne dann mit der Mucilage-Schicht in der Sonne getrocknet. So verbindet diese Methode einen etwas vollere Textur und mehr Süße der Natural-Methode mit einer kürzeren Trocknungszeit und dem klaren Geschmack der gewaschenen Kaffees. Diese Methode verbreitet sich zunehmend, bleibt aber insgesamt eher selten.

Unsexy, aber Wichtig

Sortierung

Wenn die Rohkaffeebohnen von ihrer dicken Parchment (dickes Kaffeehäutchen) befreit wurden, was zentral (z.B. in Guatemala City) in größeren Aufbereitungsanlagen geschieht, werden sie von schädlingsbefallenen und kaputten Bohnen getrennt und letztlich nach Größe und Dichte sortiert. Dies serviert dem Röster ein homogenes Bohnenbild, was ein kontrolliertes und stabiles Röstergebnis ermöglicht. Die Sortierung ist für Spezialitätenkaffees ein weniger romantischer, aber ganz entscheidender Schritt.

Anbaukultur

Wo entsteht der Geschmack?

Der Geschmack des Kaffees entsteht durch die Auswahl der Varietäten, die ich anbaue oder überhaupt nur anbauen kann, der Sorgfalt meiner Pflanzenpflege und bei der Ernte und allen Nachernteprozessen, sowie der Auswahl meiner Aufbereitungsmethoden. Somit liegt der Geschmack und die Produktqualität, natürlich unter den ihm zur Verfügung stehenden Bedingungen, in den Händen des Produzierenden. Dies ist uns ganz wichtig zu betonen, da wir die Arbeit der Menschen am Produkt gerne vergessen, während wir bei hochwertigen Lebensmitteln gerne vom besonderen "Terroir" oder "Lagen" sprechen.

Entdecke Kaffee-Vielfalt

Eine Reise von Guatemala bis Äthiopien